Vom Kongress zur Roadmap
Internationale Forschende zeigen in einem Whitepaper auf, welche Rahmenbedingungen nötig sind, damit lichtbasierte Verfahren schneller in Medizin, Diagnostik und Umweltanwendungen ankommen
Licht kann Krankheiten früher sichtbar machen, Therapien gezielter steuern und Umweltbelastungen sichtbar machen. In Laboren und Kliniken sind viele biophotonische Verfahren längst erprobt – doch der Weg in die breite Anwendung ist oft lang. In einem vom Leibniz-IPHT koordinierten Whitepaper formulieren renommierte internationale Biophotonik-Forschende Stellschrauben, die Translation beschleunigen sollen.
Mehr als 350 internationale Fachleute für lichtbasierte Technologien kamen im März 2024 in Jena zum 7. International Congress on Biophotonics (ICOB 2024) zusammen. Diskutiert wurden unter anderem KI-gestützte Bildgebung in der Medizin, lichtbasierte Diagnostik von Infektionskrankheiten und optische Sensoren für Umweltanalysen. Ein zentrales Ergebnis des Kongresses ist das daraus hervorgegangene ICOB-Whitepaper, das Entwicklungen bündelt und eine Roadmap für die nächsten zehn Jahre skizziert.
Die Initiative ging vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) aus, das die internationale Zusammenarbeit von zehn Biophotonik-Expert:innen aus sieben Ländern koordiniert hat. Die Roadmap ist als Beitrag im Journal of Biophotonics erschienen und richtet sich an politische Entscheidungsträger:innen in Deutschland, Europa und weltweit.
„Die Biophotonik stellt leistungsfähige Technologien bereit. Damit sie ihr Potenzial in der medizinischen Versorgung und Umweltüberwachung entfalten kann, braucht es passende politische Rahmenbedingungen und innovationsfreundliche Regulierungen“, sagt Prof. Jürgen Popp, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-IPHT.
Hebel für eine zielgerichtete Translation
Das Whitepaper plädiert für gezielte politische und strukturelle Maßnahmen, damit lichtbasierte Technologien – biophotonische Verfahren – schneller in medizinische, diagnostische und umweltbezogene Anwendungen überführt werden.
Die Autor:innen benennen vier zentrale Hebel:
• Translation gezielt fördern – durch Investitionen in offene Technologieplattformen, Demonstratoren und klinische Studien.
• Zulassungswege beschleunigen – mithilfe standardisierter Bewertungsprotokolle und regulatorischer Innovationsräume.
• Interdisziplinäre Ausbildung stärken – an der Schnittstelle von Physik, Biologie, Medizin und Künstlicher Intelligenz.
• Sichtbarkeit erhöhen – durch strategische Verankerung in Förderlinien und gesundheitspolitischen Agenden.
Im Kern steht dabei der Begriff der Translation. Gemeint ist die strukturierte Überführung von Forschung in die Anwendung: Nur wenn alle Schritte – von der Idee über Prototypen bis zur Zulassung – koordiniert begleitet werden, gelangen neue Verfahren tatsächlich in Kliniken, Labore oder die Umweltanalytik.
Warum Biophotonik gesellschaftlich relevant ist
Biophotonik nutzt Licht, um biologische Prozesse sichtbar und messbar zu machen – schnell, präzise, oft berührungslos und ohne invasive Eingriffe. Beispiele reichen von der Frühdiagnostik von Krebs und Infektionen über die Echtzeit-Überwachung von Therapien bis zur Analyse von Umwelt- und Lebensmittelproben.
So könne Biophotonik dazu beitragen, Gesundheitssysteme widerstandsfähiger zu machen, schneller auf Krisen und Infektionsausbrüche zu reagieren und Risiken in Umwelt und Versorgung kontinuierlich zu überwachen – ausdrücklich im Sinn eines One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammendenkt.
Ein Modellfall für gelingende Translation: das LPI
Wie die im Whitepaper geforderte Translation praktisch aussehen kann, beschreibt der Artikel am Beispiel des im Aufbau befindlichen Leibniz-Zentrums für Photonik in der Infektionsforschung (LPI) in Jena: Die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte, nutzeroffene Plattform vereint Forschung, klinische Anwendung und Industrie an einem Ort – als „One-Stop-Agency“, die den Innovationsprozess von der Technologieentwicklung bis zur Zulassung begleitet.
Beteiligt sind neben dem Leibniz-IPHT – das dabei seine Expertise in optischen Gesundheitstechnologien in enger Zusammenarbeit mit Kliniken und Industriepartnern einbringt – das Leibniz-HKI, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Universitätsklinikum Jena.
Hier geht es zum Whitepaper:
Baldini, F., Dholakia, K., French, P., Guntinas-Lichius, O., Kohler, A., Mäntele, W., Marcu, L., Sroka, R., Umapathy, S., & Popp, J. (2025). Shining a Light on the Future of Biophotonics. Journal of biophotonics, 18(7), e202500148. https://doi.org/10.1002/jbio.202500148
ICOB 2026 in Albany (USA)
Die nächste ICOB 2026 findet an der University at Albany statt. Gemeinsam mit dem Leibniz-IPHT betreibt diese das CeBAI – Center for Biophotonic Technology and Artificial Intelligence, ein transatlantisches Forschungszentrum, das Lichttechnologien mit KI verbindet, mit Blick auf Anwendungen in Medizin, Forensik und Umwelt.