Aktuelle Ausgrabungen einer Forschergruppe der Universitäten Jena, Leipzig und Kiel, des Leibniz-Institutes für Photonische Technologien Jena (IPHT) sowie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege liefern neue Ergebnisse über den bis vor wenigen Jahren noch völlig unbekannten nördlichsten Teil des Karlsgrabens. Demnach ist der Kanal bis unmittelbar an den Bachlauf der Rezat ausgeschachtet und teilweise auch dort mit aufwändigen Holzeinbauten stabilisiert worden.

Der Ausgrabung, die Einblicke in die frühmittelalterliche Wasserbautechnik gibt, gingen zahlreiche geoarchäologische Bohrungen und Sedimentanalysen des Lehrstuhls für Physische Geographie der Universität Leipzig sowie eine über 125 Hektar umfassende geomagnetische Prospektion durch ein Team um Dr. Sven Linzen vom IPHT voraus. Diese Untersuchungen bildeten die Voraussetzung für die exakte Wahl der Grabungen. Dazu wurde im Jahr 2015 anhand der geomagnetischen SQUID-Prospektionsdaten ein Modell des zu erwartenden Grabenquerschnitts entwickelt, das sich nun durch die Ausgrabungen in vollem Umfang bestätigt hat.

Die Forschungsergebnisse liefern Anhaltspunkte für die Beantwortung der vieldiskutierten Frage, ob es jemals einen schiffbaren Anschluss des Karlsgrabens an die Rezat und damit an Main und Rhein gab. Der Karlsgraben ist das bedeutendste und ambitionierteste Infrastrukturprojekt des frühen Mittelalters in Zentraleuropa. Karl der Große wollte im Jahr 793 einen durchgehenden Schifffahrtsweg zwischen Rhein und Donau schaffen. 

Der Karlsgraben wird im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2012 von einer Forschergruppe der Universitäten Jena, Leipzig und Kiel, des IPHT sowie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege intensiv untersucht. Das insgesamt sechsjährige Projekt läuft noch bis Ende 2018.

Die vollständige Pressemeldung finden Sie hier.
Weitere Informationen über das Forschungsprojekt unter:
http://www.spp-haefen.de/de/die-projekte/fossa-carolina
Weitere Informationen über die Arbeiten am IPHT finden Sie auf unserer Website.

 

Flechtwerkmatte aus Ästen im Böschungsbereich der Fahrrinne des Karlsgrabens, die offenbar zur Stabilisierung des Untergrunds diente. Foto: Uni Jena

Flechtwerkmatte aus Ästen im Böschungsbereich der Fahrrinne des Karlsgrabens, die offenbar zur Stabilisierung des Untergrunds diente. Foto: Uni Jena

Dr. Sven Linzen an der Ausgrabungsstelle. Foto: BLfD

Dr. Sven Linzen an der Ausgrabungsstelle. Foto: BLfD