Wie Keime zwischen Mensch und Tier wandern
Hunde in Ruanda tragen Bakterienstämme, die eng mit menschlichen Varianten verwandt sind. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der University of Rwanda und dem New Vision Veterinary Hospital Musanze. Unterstützt wurde sie von Forschenden des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien, des InfectoGnostics Forschungscampus und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Letters in Applied Microbiology veröffentlicht.
Krankenhauskeim beim Haustier
Staphylococcus aureus ist weltweit eine der häufigsten Ursachen von Infektionen im Krankenhaus. Besonders gefürchtet sind Methicillin-resistente Stämme (MRSA), die schwer zu behandeln sind und hohe Gesundheitskosten verursachen. Auch Hunde können Träger solcher Keime sein. In der aktuellen Studie wurden fast 500 Hunde und Katzen untersucht. Dabei fanden die Forschenden bei 65 Hunden Staphylococcus aureus – allesamt in Nasenabstrichen. Die meisten Stämme entsprachen Varianten, die typischerweise beim Menschen vorkommen. Einige zeigten Resistenzen gegen gängige Antibiotika wie Penicillin oder Tetracyclin, außerdem trugen mehrere Proben den Virulenzfaktor „Panton-Valentine Leukozidin“, der beim Menschen Abszesse und Furunkel auslösen kann. MRSA wurde nicht nachgewiesen.
Jenaer Technologie macht Keime vergleichbar
Die detaillierte Analyse der Bakterien wurde durch molekulare Multiparameter-Analyseverfahren möglich, die in Jena entwickelt wurden. Mithilfe von DNA-Microarrays konnten hunderte genetische Merkmale erfasst werden, darunter Resistenzgene und krankmachende Eigenschaften. So entstand ein molekularer Fingerabdruck, der die enge Verwandtschaft zu menschlichen Linien sichtbar machte.
„Unsere Mikroarray-Technologien erlauben es uns, in einem einzigen Schritt hunderte genetische Marker gleichzeitig, schnell und kostengünstig zu untersuchen“, erklärt Prof. Dr. Ralf Ehricht vom Leibniz-IPHT, dem InfectoGnostics Forschungscampus und der Universität Jena. „Das eröffnet die Möglichkeit, auch veterinärmedizinische Proben aus Afrika zu analysieren, die sonst kaum erforscht werden könnten. So sehen wir nicht nur, welcher Stamm vorliegt, sondern auch, welche Resistenzen und krankmachenden Eigenschaften er trägt.“
Infektionsketten über Artgrenzen hinweg
Besonders überraschend war für die Forschenden, dass fast alle Isolate für Menschen oder auch für andere Haustiere typische Linien repräsentierten. „Das macht deutlich, wie eng Mensch und Tier epidemiologisch verbunden sind“, sagt der Mediziner Stefan Monecke vom Leibniz-IPHT und dem InfectoGnostics Forschungscampus. „Wir müssen Infektionsketten über Artgrenzen hinweg denken. Ganz konkret kann das bedeuten, dass ein Patient nach einer erfolgreichen Therapie erneut erkrankt, weil er sich bei seinem eigenen Hund wieder ansteckt.“
Antibiotikaresistenzen auch bei Wiederkäuern
Eine ergänzende Studie derselben Forschungsgruppe hat zudem gezeigt, dass auch Rinder, Ziegen und Schafe in Ruanda antibiotikaresistente Bakterien tragen. Diese Untersuchung erschien 2024 in BMC Veterinary Research. Beide Arbeiten unterstreichen die Notwendigkeit, Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt im Sinne des „One Health“-Ansatzes gemeinsam zu betrachten.
Original-Publikationen
- Marek L, Irimaso E, Turikumwenayo JB, Mukamulisa B, Ndishimye P, Muragijemariya F, et al. Staphylococcus aureus in Rwandan dogs predominantly representing human-associated lineages.Letters in Applied Microbiology. 2025;78(5):ovaf065. https://doi.org/10.1093/lambio/ovaf065
- Irimaso E, Keinprecht H, Szostak MP, Cabal Rosel A, Stessl B, Desvars-Larrive A, et al. Survey in ruminants from Rwanda revealed high diversity and prevalence of extended-spectrum cephalosporin-resistant Enterobacterales. BMC Veterinary Research. 2024;20:523. https://doi.org/10.1186/s12917-024-04359-3
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