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Für bessere diagnostische Tests: Bund fördert Jenaer Forscherteams mit 10 Millionen Euro

Forschungsteams vom Leibniz-IPHT und weiteren Jenaer Forschungseinrichtungen sowie der Jenaer Hochschulen und des Universitätsklinikums wollen gemeinsam mit regionalen Industriepartnern die Entwicklung diagnostischer Tests vorantreiben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Zusammenarbeit im Rahmen des InfectoGnostics Forschungscampus Jena innerhalb der nächsten fünf Jahre mit bis zu 10 Millionen Euro. In sechs Projekten wollen die Teams aus Forschung, Medizin und Industrie Tests für die Diagnostik und Resistenzbestimmung von Infektionserregern bei Menschen und Tieren entwickeln sowie die Immunantwort auf Infektionen und Impfungen untersuchen. Zudem arbeiten die Forschenden gemeinsam mit Hausärztinnen und Hausärzten an Lösungen, wie Vor-Ort-Tests optimal in den Alltag von Arztpraxen integriert werden können.

 

"Wir wollen Hürden auf dem Weg bis zum zugelassenen Test überwinden und gute Ideen aus der Forschung rasch an den Markt bringen", erläutert Prof. Jürgen Popp, Direktor des Leibniz-IPHT und Vorstandssprecher des InfectoGnostics Forschungscampus Jena. Dazu arbeiten die Forschungsteams in der nun gestarteten zweiten Phase der BMBF-Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ vor allem an der Entwicklung gemeinsamer offener Diagnostik-Plattformen. „Es sollen offene oder modulare Systeme entwickelt werden, auf denen auch andere Forscher und Entwickler neue Tests etablieren können", erläutert Jürgen Popp.

Dabei können die sechs neuen Forschungsprojekte der öffentlich-privaten Partnerschaft dank der langfristigen Förderung des Bundes an die Erfolge der ersten Förderperiode anknüpfen und das Campuskonzept konsequent weiterentwickeln. Nach dem Campusprojekt zur Pneumonie bei Immunsuppressionen startet die zweite Phase mit einer stärkeren Spezialisierung: „Die erfolgreichen Vorarbeiten und Technologien erlauben uns, die Forschungsthemen in sechs eigenständigen Projekten gezielt zu vertiefen und auf neue Anwendungsbereiche zu übertragen", so Jürgen Popp. "Wir wollen so die Translation in konkrete diagnostische Technologien optimieren und andere Märkte erschließen."

Fünf bewilligte Projekte starteten im September 2020, ein weiteres Projekt zur infektiologischen Wasseranalytik soll bis Jahresende beginnen.

 

Öffentliche Projektvorstellung
Auf einem offiziellen Kick-off-Event an der Universität Jena stellen die sechs Forscherteams ihre Vorhaben am 5. Oktober 2020 der Öffentlichkeit vor. Medienvertreterinnen und -vertreter sind herzlich eingeladen und werden gebeten, sich für die teilnehmerbegrenzte Veranstaltung vorab per E-Mail anzumelden.

Zeit: 5. Oktober 2020, 13.00 bis 16.00 Uhr

Ort: Hörsaal 4 des Abbe-Campus der FSU Jena (Carl-Zeiss-Str. 3, 07743 Jena) 

 

Forschungsprojekte:


ADA – Adaptierbare dezentrale Diagnostik für die Tier- und Humanmedizin
BLINK AG, Leibniz-HKI, Leibniz-IPHT, Friedrich-Löffler-Institut, Universitätsklinikum Jena

In „ADA“ wird eine kostengünstige, offene Testplattform für das Screening auf Staphylococcus aureus / MRSA in der Human- und Veterinärmedizin entwickelt. Das System soll aus Abstrichproben von Patienten und Milchproben von Kühen nicht nur den Keim, sondern auch dessen relevante Virulenzfaktoren und Resistenzgene detektieren und zugleich die Typisierung von Erregern ermöglichen. Die offene Plattform erlaubt Multiplexing der molekularbiologischen Nachweise und eine schnelle Anpassung an neue Erreger. Darüber hinaus soll sie auch für die Analyse von Genomsequenzen eingesetzt werden.

POCT-ambulant – Forschungs-Entwicklungs-Praxis-Dialog zur bedarfsgerechten Entwicklung von Point-of-Care-Tests für die Primärversorgung
Universitätsklinikum Jena (UKJ) mit Lehr- und Forschungspraxen der Allgemeinmedizin

Mit „POCT-ambulant“ entwickelt der Forschungscampus ein strukturiertes und systematisches Programm zur Beurteilung des Patientennutzen und des klinischen Bedarfes von Vor-Ort-Testverfahren (sogenannten Point-of-Care-Verfahren) im niedergelassenen Bereich. Als klinisches Begleitforschungsprojekt wird so ein aktiver, regionaler Forschungs-Entwicklungs-Praxis-Dialog mit hausärztlichen Praxen aufgebaut. Das Institut für Allgemeinmedizin des UKJ arbeitet hier mit einem Netzwerk von Lehr- und Forschungspraxen aus ganz Thüringen zusammen. Erfahrungen aus Arztpraxen sollen so frühzeitig in Forschung und Entwicklung einfließen.

PREPLEX – Phänotypische Resistenz durch Porin-Verlust und Efflux-Überexpression bei gramnegativen Bakterien
Universitätsklinikum Jena (UKJ), Curetis GmbH

Durch maschinelles Lernen sollen im Projekt „PREPLEX“ molekulare Muster identifiziert werden, die einen Hinweis darauf geben, wie Bakterien die Wirkmechanismen von Antibiotika außer Kraft setzen. Dabei handelt es sich insbesondere um Veränderungen der Bakterienoberfläche: Einerseits den Verlust von porenformenden Proteinen (Porin-Verlust), andererseits die übermäßige Ausbildung von Proteinen, die Moleküle aus der Zelle transportieren (Efflux-Überexpression). Das Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am UKJ wird mit dem Industriepartner Curetis GmbH einen mRNA-basierten Assay entwickeln, um die phänotypische Resistenz gegenüber Carbapenemen (Reserveantibiotika) bei gramnegativen Bakterien nachzuweisen.

RESISTOVAC – Schnelle und ökonomische POC-Tests zur Bestimmung des Immunstatus und bakterieller Resistenzfaktoren
fzmb GmbH, senova GmbH, -4H- JENA engineering GmbH, Leibniz-IPHT


Die vier Partner im Projekt „RESISTOVAC“ entwickeln gemeinsam verschiedene Testformate, die zur schnellen Erfassung des Impfstatus von Menschen und Tieren eingesetzt werden kann und so entscheidend zur Prävention von Infektionskrankheiten weltweit beitragen soll. Das Vorhaben zielt darauf ab, eine offene Multiparameter-Plattform für Lateral-Flow- und Mikroarraytests zu entwickeln. Diese Tests sollen einerseits den schnellen Nachweis der immunologischen Wirtsantwort und andererseits die Bestimmung bakterieller Resistenzfaktoren (Betalaktamasen, ESBL und Carbapenemasen) in Arztpraxen und Kliniken ermöglichen.

InfectoXplore – Spektroskopische Plattform zur Diagnostik von Infektionen aus Blut
Leibniz-IPHT, Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH), Universitätsklinikum Jena, 
Biophotonics Diagnostics GmbH, MIBIC GmbH & Co. KG

Mit „InfectoXplore“ wird am InfectoGnostics Forschungscampus eine Diagnostik-Plattform aufgebaut, mit der erstmals auch aus Blutkulturen eine umfassende Raman-spektroskopische Erreger-Analyse durchgeführt werden kann. Das neue System baut auf der RamanBioAssay-Technologie aus der ersten Hauptphase auf: Es soll aus positiven Blutkulturen in nur 3,5 Stunden bakterielle Erreger identifizieren und die Erstellung eines Resistogramms für gezielte Therapien in kürzester Zeit ermöglichen.

FastAlert – Früherkennung von Erregern und Resistenzen in Abwasser und Trinkwasser (geplanter Projektstart: Ende des Jahres)
Analytik Jena AG, Friedrich-Schiller-Universität Jena, fzmb GmbH, UKJ

In „FastAlert“ soll ein Analysesystem zur prozessnahen Erregerdetektion in Abwasseranlagen und in Systemen zur Trinkwasser-Aufbereitung entstehen, um Infektionserreger und Resistenzgene zu überwachen. Für die Identifizierung der Erreger werden dabei vier komplementäre Nachweisverfahren in einer offenen Plattform kombiniert: die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-MS), qPCR, die Raman-Spektroskopie sowie ein mikroskopisch-hyperspektrales Bildgebungssystem.

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